
| Er war der Vorbereiter der epischen Gattung Schwank und Satire, worin er die Gefühle und Feinheiten in der Volkssprache wiedergab. | ![]() |
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Der Wert Nasreddin Hocas kann nicht mit seinen Erlebnissen, sondern mit den Feinheiten der
Bedeutung, des Humors und der Ironie der Schwanke, die von ihm selbst und aus dem Gerede des
Volksmundes übermittelt wurden, gemessen werden. |
| DANN IST ES ANDERS Als der Hodscha als Kadi arbeitete kam ein Mann zu ihm: "Hodscha Efendi" sagte er, "ich will euch um ein Rat bitten." "Nun frag" sagte der Hodscha, und der Mann fuhr fort. "Gestern hat eine Kuh, die wohl ihnen gehört, im Getreidefeld meiner Kuh in den Bauch geschlagen und sie getötet. Was soll ich jetzt machen? Nachdem der Hodscha mit seinem Bart spielend eine kurze Zeit nachgedacht hat sagte er: "Tja, es ist nun einmal ein Tier... Du wirst es ja doch nicht anklagen!" "Danke Kadi Efendi." - Sein Besitzer hat auch kein Schuld daran, wie sollte er wissen, daß sowas geschehen würde Der Mann fing an zu grinsen als er wieder das Wort ergriff: - Verzeih mir Kadi Efendi, ich habe mich eben getäuscht: Dein Kuh ist gestorben und nicht meine. Nachdem sich der Hodscha aufrichtete: - Aha, nun ist die Sache anders. So gibt mir nun das schwarze Buch aus dem Regal und las mich mal nachschlagen! |
DER ESEL DES GUTSVERWALTERS Der Gutsverwalter, dessen Esel verloren ging regte sich auf: "Schnell, findet meinen Esel wieder, sonst träge er keine Verantwortung für das, was geschehen wird!" schrie er. Alle gerieten in Angst und Schrecken. Die Leute von Akehir, die quer durch die Gegend liefen um den Esel zu finden, trafen den Hodscha: "Hodscha, kannst du uns helfen?" Solltest du unterwegs einen besitzerlosen Esel sehen, bitte fang ihn für uns ein. "Wem gehört der Esel?" "Dem Gutsverwalter" sagten sie. Und der Hodscha antwortete: "Gut, ich werde euch Suchen helfen." Und ging seinen Weg singend weiter. Ein Dorfbewohner, der ihm begegnete, fragte ihn: "Warum singst du Hodscha Efendi?" Darauf antwortete der Hodscha: "Ich suche den verlorenen Esel des Gutsverwalters." Er fragte nochmals: "Ja aber, man sucht doch einen Esel nicht singend, Hodscha?" Ein Fremder sucht den Esel eines Fremden eben singend, und hauptsächlich wenn er dem Gutsverwalter gehört!..." |
| WARUM ER AUF DEN ESEL VERKEHRTRUM SASS Als der Hodscha eines Tages auf seinem Esel von der Moschee nach Hause zurückkehrte und einige Leute ihm folgten, blieb er plötzlich stehen und setzte sich mit dem Gesicht nach hinten gedreht auf den Esel; er setzte sich also verkehrt herum auf den Sattel. Die Leute die das sahen fragten den Hodscha nach dem Grund. Dieser antwortete: "Ich habe lange darüber nachgedacht und habe beschlossen mich so auf meinen Esel zu setzen, denn ich mag keine Grobheiten. Wenn ihr vor mir gehen würdet, dann würdet ihr eure Rücken zu mir drehen und das wäre auch nicht höflich. Wenn ich vor euch gehen würde, dann würde ich euch meinen Rücken zudrehen, auch das wäre nicht angepaßt. Wenn ich so umgekehrt auf dem Esel sitze, bin ich vor euch und ihr nicht hinter mir und wir stehen uns gegenüber!" |
DIE TONLAGE HABE ICH GEFUNDEN In einer Versammlung unter Freunden drückte man dem Hodscha zum Scherz eine Gitarre in die Hand. "Los Hodscha, spiel doch etwas schönes für uns!" Als der Hodscha die Gitarre in die Hand nahm, bewegte er den Schlagring hoch und runter, so daß unheimliche Töne herauskamen. "Ohhh Hodscha" sagten sie "spielt man denn so die Gitarre? Man muß doch auf die Tonlage nach der Art hoch und runter gehen." Hodscha antwortete darauf indem er weiter auf der Gitarre spielte und dazu lachte: "Die sind nicht fähig die Tonlage zu finden, deswegen laufen sie wie Wild hoch und runter. Sieh, ich habe sie gefunden, warum soll ich sie noch weiter suchen." |